Feiertage

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber, wer auf Mallorca lebt oder Urlaub macht, sollte nicht nur den Wetterbericht im Blick haben, sondern auch den Kalender. Denn die Insel ist ein wahres Festtags-Paradies, ein Ort, an dem die offiziellen Feiertage so regelmäßig auftauchen wie die Zikaden im Juni. Wer glaubt, hier gäbe es nur Sonne, Strand und Sangría, der wird spätestens beim dritten geschlossenen Supermarkt eines Besseren belehrt.

Los geht es gleich am 1. Januar, wenn die Insel kollektiv beschließt, dass die zwölf Trauben vom Vorabend nicht nur Glück bringen, sondern auch einen ordentlichen Kater. Neujahr ist der Tag, an dem gute Vorsätze so ernst genommen werden wie ein Tourist mit einem Bierglas.

Kaum hat man sich davon erholt, kommt am 6. Januar die große Show der Heiligen Drei Könige. Vergessen Sie den Weihnachtsmann, hier regieren Melchior, Caspar und Baltasar, die auf Pferden durch die Straßen ziehen, als wären sie die Headliner eines orientalischen Rockfestivals. Kinder jubeln, Erwachsene staunen, und die Tiere sehen aus, als hätten sie gerade einen Langstreckenflug hinter sich.

Am ersten Tag im März feiert die Insel ihren eigenen Geburtstag: den Tag der Balearen. Märkte, Tänze, Fahnen, Mallorca schaut in den Spiegel und sagt: „Schau mich an, ich bin wunderschön!“ Es ist ein patriotisches Feuerwerk, das so bunt ist wie die Bougainvillea im Hochsommer.

Dann kommt Ostern, und mit ihm die feierlichen Prozessionen. Gründonnerstag und Karfreitag verwandeln die Städte in Bühnen, auf denen Heiligenfiguren getragen werden, so ehrfürchtig, dass selbst die Tauben kurz den Ton drosseln. Wer behauptet, dass religiöse Feste langweilig sind, hat noch nie gesehen, wie eine ganze Stadt aussieht, als hätte sie sich in Weihrauch eingehüllt.

Der Beginn von Mai ist am Tag der Arbeit. Ein Feiertag, an dem niemand arbeitet, außer das Personal im Gastgewerbe und in der Gesundheitsbranche. Es ist der Festtag, an dem die Insel kollektiv beschließt, dass Arbeit zwar wesentlich ist, aber es durchaus wichtigere Angelegenheiten im Leben gibt.

Der 15. August bringt die Mariä Himmelfahrt. Die Hitze erreicht ihren Höhepunkt, und die Kirche feiert die Aufnahme Marias in den Himmel. Man könnte meinen, sie sei geflüchtet vor den 40 Grad. Prozessionen, Messen und ein Gefühl, als würde die Insel selbst kurz den Atem anhalten.

Im Oktober weht die spanische Fahne besonders stolz, denn am 12. Oktober ist der Nationalfeiertag. Ganz Spanien feiert sich selbst, und Mallorca macht natürlich mit. Fahnen wehen, Reden werden gehalten, und irgendwo denkt ein Tourist: „Ach, das ist also der Grund, warum heute die Geschäfte geschlossen sind.“

Der 1. November gehört den Verstorbenen. Allerheiligen verwandelt Friedhöfe in Blumengärten auf Steroiden. Kerzen flackern, Familien gedenken, und die Insel wirkt für einen Moment so still, dass selbst die Zikaden den Ton runterdrehen.

Im Dezember wird es gleich doppelt festlich. Am 6. Dezember feiert Spanien seine Verfassung, ein Tag, der klingt, als würde man Paragraphen hochleben lassen. Tatsächlich ist es ein Feiertag, an dem die Demokratie geehrt wird – und die Mallorquiner nebenbei überlegen, ob sie lieber Tapas oder Paella essen sollen. Zwei Tage später, am 8. Dezember, folgt die Mariä Empfängnis, ein kirchlicher Feiertag, der beweist: Mallorca liebt seine Heiligen fast so sehr wie seine Ensaimadas.

Das große Finale des Jahres beginnt am 24. und 25. Dezember. Weihnachten auf Mallorca ist weniger ein Kaufrausch als ein Fest der Nähe. Familien versammeln sich, die Tische biegen sich unter den zahlreichen Köstlichkeiten. Selbst die Palmen wirken, als hätten sie sich für den Anlass besonders herausgeputzt. Doch damit endet die Feierwelle noch nicht: Am 31. Dezember zieht die Insel noch einmal alle Register. Die Mitternacht wird zum Spektakel aus Glockenschlägen, zwölf Trauben und zwölf Wünschen, begleitet von Feuerwerk, Umarmungen und der leisen Hoffnung, dass das neue Jahr besser wird.

Neben diesen offiziellen Feiertagen gibt es auch die lokalen Festtage, die je nach Gemeinde variieren. Mein Rat an Sie, meine lieben Leser: Tragen Sie gleich die offiziellen und die lokalen dias festivos in Ihren Kalender ein, sonst stehen Sie vor verschlossenen Türen, während die ganze Stadt feiert!

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