Acht
Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber manchmal scheint das mallorquinische Universum eine ganz eigene Vorstellung von Humor zu haben. Vor allem dann, wenn man sich vornimmt, etwas Erhabenes zu erleben. Etwas Magisches. Etwas, das man später mit leuchtenden Augen erzählt. In meinem Fall war das die berühmte Acht in der Kathedrale von Palma, die sich jedes Jahr am zweiten Februar und am elften November zeigt. Ein Naturphänomen, das Licht, Architektur und göttliche Präzision vereint. Ein Moment, der Menschen aus allen Ecken der Insel anzieht. Und vor ein paar Jahren auch mich.
Schon die Parkplatzsuche fühlte sich an wie ein olympischer Wettkampf, bei dem ich nicht einmal wusste, dass ich teilnehme. Die halbe Insel schien denselben Plan zu haben. Autos kreisten wie hungrige Geier über einem einzigen freien Quadratmeter Asphalt. Ich fuhr im Schneckentempo durch die Straßen, während mein Puls im Galopp unterwegs war. Irgendwann fand ich eine Lücke, die so eng war, dass selbst ein Sardinendosenhersteller sie als zu ambitioniert abgelehnt hätte. Ich quetschte mich hinein, atmete tief durch und fühlte mich wie eine Heldin.
Der Weg zur Kathedrale zog sich länger als erwartet. Ich ging schnell, weil ich den magischen Moment auf keinen Fall verpassen wollte. Dabei übersah ich einen Pflasterstein, der sich mir in den Weg stellte wie ein trotziges Kind. Ich stolperte, ruderte mit den Armen, versuchte die Balance zu halten und landete schließlich auf dem Knie. Das Geräusch meiner reißenden Hose war so laut, dass ich mich kurz umsah, ob jemand applaudierte. Das Knie brannte, die Hose klaffte, mein Stolz lag irgendwo zwischen den Fugen des Pflasters. Zum Glück trug ich eine lange Jacke, die das Malheur halbwegs verdeckte und mich zumindest vor neugierigen Blicken bewahrte. Trotzdem humpelte ich weiter, denn wer einmal aufgebrochen ist, lässt sich von einer Wunde nicht stoppen. Zumindest redete ich mir das ein.
In der Kathedrale erwartete mich ein Gedränge, das mich an die ersten Tage des Sommerschlussverkaufs erinnerte. Menschen schoben sich vorwärts, rückwärts, seitwärts. Ich wurde in eine Richtung gedrückt, die ich nicht gewählt hatte, und landete schließlich an einem Platz, von dem aus ich die Acht sehen konnte. Sie erschien tatsächlich. Wunderschön. Präzise. Strahlend. Ein Lichtkreis, der sich mit einem anderen traf und diese perfekte Form bildete. Ein Moment, der so ruhig und erhaben war, dass ich fast vergaß, wie sehr mein Knie pochte. Fast.
Beim Hinausgehen wurde die Menschenmenge nicht kleiner. Ich blieb kurz stehen, um ein älteres Paar vorbeizulassen. Eine noble Geste, dachte ich. Eine Geste, die das Universum sicher belohnen würde. Doch das Universum hatte andere Pläne. Eine Frau, die es offensichtlich sehr eilig hatte, drängte sich an mir vorbei und kippte mir dabei ihren Kaffee über die Kleidung. Der Inhalt ergoss sich über mich wie ein brauner Wasserfall. Warm, duftend, klebrig. Ich stand da, tropfend wie ein schlecht gelaunter Cappuccino. Das Weib entschuldigte sich hastig, murmelte etwas von einem Termin und verschwand in der Menge. Ich blieb zurück, halb verbrüht, halb fassungslos.
Der Rückweg zum Auto fühlte sich an wie der letzte Kilometer eines Marathons, den ich nie laufen wollte. Hinkend, mit zerrissener Hose, mit Kaffeeflecken, die aussahen wie moderne Kunst, erreichte ich endlich mein Auto. Und dort wartete die Krönung des Tages. Ein Strafzettel. Zehn Minuten überzogen. Zehn Minuten! Ich starrte das Papier an, als hätte es persönlich etwas gegen mich. Vielleicht war es Teil eines größeren Plans, mich daran zu erinnern, dass das Lichtwunder seinen Preis hat.
Die Magie der Oktave ist tatsächlich ein kleines Naturwunder. Ein Wunder aus Licht und Architektur. Ein Moment, der sich lohnt. Nur eben nicht für mich an diesem Tag. Für mich war es eher eine Mischung aus Pechsträhne und unfreiwilliger Komik. Ein Tag, der mich daran erinnerte, dass selbst die schönsten Ereignisse auf Mallorca manchmal von einer chaotischen Realität begleitet werden.
Am kommenden Montag ist es soweit, meine lieben Leser! Die Kathedrale wird wieder ihr Lichtschauspiel vollbringen. Wenn Sie früh genug aufbrechen, eine reißfeste Hose anziehen, dann erleben Sie etwas, das Sie so schnell nicht vergessen werden. Fahren Sie hin, schauen Sie hin, lassen Sie sich verzaubern. Die Acht wird erscheinen und dieses Mal ganz bestimmt ohne Kaffee, Stolpersteine und Strafzettel!