Ladenschluss

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber Mallorca verändert sich schneller als ein Tourist, der feststellt, dass Sangría nicht dasselbe ist wie Rotwein. Früher konnte man durch die Dörfer spazieren und an jeder Ecke einen kleinen Laden entdecken, der aussah, als hätte er seit der Römerzeit geöffnet. Heute gleicht die Insel einem riesigen Schaufenster für Ketten, die überall dieselben Produkte verkaufen. Die Traditionsläden verschwinden, als wären sie scheue Tiere, die sich vor Selfiesticks fürchten.

Ein Spaziergang durch ein mallorquinisches Dorf zeigt das Drama. Wo einst ein Kolonialwarengeschäft stand, findet man plötzlich ein Geschäft, das Avocado‑Smoothies verkauft. Die alte Besitzerin, die früher mit strengem Blick über die Preise wachte, wurde durch eine Maschine ersetzt, die fröhlich blinkt und auf Knopfdruck Hafermilch ausspuckt. Manche behaupten, das sei Fortschritt. Andere nennen es den Anfang vom Ende. Ich nenne es eine Tragikomödie, die sich selbst schreibt.

Ein besonders trauriges Beispiel ist der klassische Eisenwarenladen. Diese Orte waren wahre Schatzkammern. Man konnte dort Schrauben kaufen, die es sonst nirgendwo gab. Der Besitzer wusste immer, welche Größe man brauchte, selbst wenn man nur sagte: „So ungefähr.“ Heute stehen an derselben Stelle Boutiquen, die Kleidung verkaufen, die aussieht, als sei sie aus recycelten Wolken gefertigt. Die Kundschaft bewundert die Stoffe, während die Inselbewohner ratlos überlegen, wo sie jetzt eine simple Schraube finden sollen. Wahrscheinlich im Internet, das inzwischen mehr Macht hat als ein Dorfpfarrer in den fünfziger Jahren.

Auch die alten Bäckereien kämpfen ums Überleben. Früher duftete es morgens nach Ensaimadas, die so fluffig waren, dass man sie als Kopfkissen hätte benutzen können. Die Bäcker kannten jeden Kunden beim Namen und wussten, wer lieber Zucker und wer lieber Puder mochte. Heute stehen an vielen Stellen Cafés, die Croissants anbieten, die aussehen wie aus einem Fitnessstudio geflohen. Sie sind so hart, dass man damit problemlos eine Kokosnuss öffnen könnte. Trotzdem kaufen die Leute sie, weil sie hübsch auf Fotos wirken.

Ein weiteres Opfer der Modernisierung sind die kleinen Krämerläden. Diese Geschäfte hatten alles. Man konnte dort Waschmittel, Kerzen, Spielzeug, Oliven, Postkarten und manchmal sogar Lebensweisheiten erwerben. Die Besitzer erzählten Geschichten, die länger dauerten als ein Sommerregen. Jetzt findet man an ihrer Stelle oft Läden, die Parfüm verkaufen, das so stark riecht, dass es selbst einen Stier in die Knie zwingen würde. Die Vielfalt der alten Krämerläden fehlt. Sie waren wie kleine Universen, die sich weigerten, sich der modernen Welt zu beugen.

Viele Einheimische sagen, dass die Insel ihre Seele verliert. Vielleicht übertreiben sie ein wenig, doch ein Funken Wahrheit steckt darin. Die Traditionsläden waren Orte, an denen man nicht nur einkaufte, sondern auch plauderte, lachte und manchmal sogar stritt. Sie waren Treffpunkte, an denen man erfuhr, wer geheiratet hatte, wer sich getrennt hatte und wer gerade ein neues Auto gekauft hatte. Heute erfährt man solche Dinge über soziale Netzwerke, die schneller informieren als ein Dorftratsch, aber deutlich weniger Charme besitzen.

Natürlich gibt es noch ein paar tapfere Läden, die sich weigern zu verschwinden. Sie wirken wie Ritter, die mit Holzschwertern gegen eine Armee aus Glasfassaden kämpfen. Manche halten durch, weil die Besitzer stur sind. Andere überleben, weil die Nachbarschaft sie unterstützt. Diese Geschäfte erinnern daran, dass Mallorca mehr ist als Strände, Hotels und Sonnencreme. Die Insel lebt von ihren Menschen, ihren Geschichten und ihren kleinen Orten, die sich nicht verbiegen lassen.

Vielleicht kehren die Traditionsläden eines Tages zurück. Die Mode ändert sich ständig. Was heute modern wirkt, kann morgen schon alt aussehen. Wenn das passiert, werden die alten Läden vielleicht wieder geöffnet. Dann stehen die Menschen Schlange, um Produkte zu kaufen, die sie früher ignoriert haben. Die Insel hat schon viele Überraschungen erlebt. Mallorca wäre nicht Mallorca, wenn es nicht irgendwann wieder etwas völlig Unerwartetes tun würde.

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