Märzmagie

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber Ende März ist auf Mallorca eine Zeit, in der die Insel so tut, als hätte sie einen geheimen Vertrag mit dem Frühling abgeschlossen. Einen, der besagt: „Wir starten früher als alle anderen, aber bitte mit maximalem Chaos.“ So erwacht die Natur mit einer Mischung aus Eleganz, Übermut und einer Prise mallorquinischer Eigenwilligkeit, die man nur hier findet.

Die Wiesen stehen in einem Gelb, das so intensiv leuchtet, als hätte jemand die Farbsättigung versehentlich auf 180 gestellt. Die Margeriten, die eigentlich bescheiden sein sollten, benehmen sich wie Influencerinnen im perfekten Licht: überall, großflächig, unübersehbar. Während man noch versucht, die Sonnenbrille zu finden, weil das Insellicht einem sonst die Netzhaut wegbrennt, hört man das erste Summen der Mücken, die sich warmfliegen. Die letzten Märztage sind für sie so etwas wie die Generalprobe für den Sommer. Sie testen ihre Flugbahnen und ihre Angriffswinkel.

Nicht nur die Mücken sind zurück. Auch die Gekos, diese kleinen, klebrigen Wandakrobaten, die aussehen, als wären sie aus Knetgummi modelliert worden, tauchen wieder auf. Im Winter verschwinden sie fast vollständig, als würden sie in einer geheimen Geko- WG unter der Erde überwintern. In den finalen Zügen des dritten Monats kommen sie zurück, und zwar mit einer Energie, die man sonst nur bei Kindern sieht, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Hüpfburg betreten. Sie flitzen über Mauern, also die Gekos, nicht die Kinder, Fensterrahmen und Terrassen, als müssten sie verlorene Zeit aufholen. Wenn man abends das Licht einschaltet, sitzen sie plötzlich da, völlig reglos, mit diesem leicht beleidigten Blick, der sagt: „Ach, du auch hier?“

Die Katzen Mallorcas hingegen haben den Winter über nie wirklich Pause gemacht. Sie sind die wahren Herrscher der Insel, und zum Frühlingsanfang beginnt ihre große Saison. Die Sonne wärmt die Steine, plötzlich liegen überall kleine Tiger herum, als hätten sie sich zu einem kollektiven Sonnenbad verabredet. Manche strecken sich so genüsslich, dass man glaubt, sie hätten heimlich Yoga Kurse besucht. Andere sitzen auf Mauern und beobachten die Welt mit einer Mischung aus Desinteresse und königlicher Überheblichkeit. Dann gibt es die Jungkatzen, die im März ihre ersten Ausflüge wagen und dabei aussehen wie kleine Fellraketen, die noch nicht wissen, wie man bremst.

Auch die Vögel melden sich zurück, und zwar nicht leise. Die Amseln geben Konzerte, die man eher in der Oper vermuten würde, die Stare veranstalten Formationsflüge, die aussehen, als hätten sie ein Choreografie Seminar besucht. Besonders spektakulär sind die Möwen, die zu dieser Zeit eine Art Frühjahrsputz im Hafen durchführen. Sie schreien, sie kreisen, sie streiten, sie klauen. Alles. Von Bocadillos bis zu unbewachten Ensaimadas. Für Möwen ist diese Phase des Jahres der Moment, in dem sie ihre kriminelle Energie wiederentdecken.

Dann wären da noch die Schafe. In dieser Frühlingsphase sehen sie aus, als hätten sie gerade eine besonders erfolgreiche Wellness Kur hinter sich. Ihr Fell ist fluffig, ihre Laune gut, die Lämmer springen über die Wiesen, als hätten sie Federn unter den Hufen. Manchmal stehen sie mitten auf dem Weg, schauen einen an und überlegen, ob sie Platz machen sollen. Meistens entscheiden sie sich dagegen.

Die Natur Mallorcas ist in diesen Wochen ein einziges Schauspiel. Die Orangenbäume beginnen zu duften, als hätten sie sich mit einem besonders teuren Parfüm eingesprüht. Die Pinien lassen ihre Pollenwolken los, die aussehen wie gelbe Explosionen. Die Insel selbst wirkt, als würde sie tief durchatmen und sagen: „So, jetzt geht es wieder los.“

Diese Zeit ist der Moment, in dem Mallorca zeigt, dass es nicht nur Strände und Sonnenschirme kann. Es ist die Phase der kleinen Wunder, der tierischen Dramen und der botanischen Übertreibungen. Eine Phase, in der man jeden Tag etwas Neues entdeckt, manchmal auf der Wiese, manchmal an der Wand, manchmal direkt vor der Haustür.

Genau deshalb liebe ich diesen Monat. Er ist unberechenbar, lebendig und voller Geschichten. Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.

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