Llucmajorode

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber Llucmajor besitzt diese stille Kunst, mich jeden Morgen so zu empfangen, als hätte der Platz beschlossen, mir persönlich ein kleines Geschenk zu machen. Im Café Colón sitze ich an meinem Tisch, der sich anfühlt wie ein vertrauter Begleiter, der nie fragt, warum ich schon wieder hier bin. Vor mir steht der Café con leche, cremig, warm, selbstbewusst wie ein kleiner König. Der erste Schluck legt sich in mir ab wie eine freundliche Grundmelodie, die mich den Rest des Tages begleiten wird. Daneben wartet der Bocadillo, äußerlich schlicht, innerlich jedoch ein kulinarischer Roman, der sich in knusprigen Kapiteln entfaltet. Seit ich gelesen habe, was Sabine Belz über das Colón geschrieben hat, schaue ich auf meinen Tisch, als säße ich mitten in einer literarischen Liebeserklärung. Ihre Zeilen haben diesem Café eine zusätzliche Schicht an Bedeutung und Gemütlichkeit verliehen. Der Platz wirkt seitdem noch vertrauter, noch wärmer und noch einladender.

Ein Mann versucht, sein Fahrrad abzustellen, das sich jedoch benimmt wie ein störrischer Esel mit eigenem Willen. Zuerst stellt er es neben den Stuhl, das Rad kippt sofort zur Seite, als wolle es demonstrativ zeigen, dass es hier nicht bleiben wird. Ein neuer Versuch folgt, diesmal mit mehr Nachdruck, doch das Fahrrad neigt sich wieder, als sei es in einem geheimen Pakt mit der Schwerkraft. Der Besitzer hebt es an, dreht es, rückt es zurecht, während sein Gesichtsausdruck langsam die Dramatik eines antiken Helden annimmt, der gegen unsichtbare Mächte kämpft. Schließlich lehnt er das Rad einfach an die Mauer, seufzt tief und schaut es an, als habe er gerade einen Friedensvertrag unterschrieben, der zwar nicht ideal ist, aber immerhin Ruhe bringt.

Am Nebentisch entfaltet sich eine kleine Komödie. Eine ältere Dame bekommt eine Ensaimada serviert, die so üppig auf dem Teller liegt, als sei sie für eine ganze Reisegruppe gedacht. Mit ehrfürchtigem Blick hebt sie das Gebäck, als stünde eine feierliche Zeremonie bevor. Der erste Biss in die Kalorienbombe löst eine Puderzuckerwolke aus, die sich über ihre Brille und den Tisch legt, als wolle sie dort dauerhaft verbleiben. Die Begleitungen der Frau versuchen tapfer, ernst zu bleiben, doch die Mundwinkel zucken, bis schließlich ein unterdrücktes Kichern entweicht. Einer der Herren beugt sich vor und flüstert etwas, das die Runde endgültig zum Lachen bringt. Für einen Moment wirkt das Puderzuckeropfer überrascht, dann beginnt sie zu lachen, hell, klar, ansteckend, als hätte der Zucker nicht nur die Gläser, sondern auch die Stimmung bestäubt.

Weiter hinten am Marktstand arrangiert ein Verkäufer seine Orangen, die sich benehmen wie kleine Ausreißer mit Abenteuerlust. Kaum liegt eine Reihe ordentlich, rollt die erste Frucht vom Tisch, als habe sie beschlossen, ein neues Leben auf der Straße zu beginnen. Der Mann reagiert blitzschnell, fängt sie mit einer Bewegung, die jedem Torwart Ehre machen würde, legt sie zurück und versucht, die Ordnung wiederherzustellen. Während er gleichzeitig mit einer Kundin über die Qualität der Ware spricht, flüchtet die nächste Orange, dann noch eine, bis der Stand aussieht wie ein Trainingsfeld für Zitrusakrobatik. Schließlich hält der Verkäufer eine der Früchte in der Hand, schaut sie streng an und sagt halblaut, sie solle sich jetzt benehmen, sonst isst er sie auf.

Beim Aufstehen lasse ich meinen Blick nochmals über den Platz und das ganze Geschehen streifen, als müsse ich mir alles einprägen, um später darüber schreiben zu können. Vielleicht ist genau das der Zauber dieser Stadt und der ganzen Insel? Die Wahrheit liegt vielleicht darin, dass Llucmajor nichts Besonderes sein will und gerade dadurch besonders wird. Jedes Mal schenkt mir die Plaça Espanya eine kleine Erinnerung daran, dass das Leben nicht laut sein muss, um gehört zu werden. Auf dem Weg nach Hause schleicht sich ein Lächeln in mein Gesicht. Für Glück und Zufriedenheit reicht manchmal ein Café con leche, ein Bocadillo und ein Platz, der einfach bleibt, wie er ist.

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