Frostwetter
Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber, es ist eiskalt hier und ich friere! Ja, ich weiß, das klingt absurd, fast schon grotesk, wenn man bedenkt, dass ich auf Mallorca lebe! Jener Insel, die in den Köpfen vieler Menschen ausschließlich aus Sonne, Sangría und Sandstrand besteht. Doch die Realität ist eine andere: Ich bin eine Frostbeule, und zwar eine von der ganz großen Sorte. Man mag es kaum glauben, aber während andere noch im T-Shirt durch die Straßen schlendern, sitze ich mit Pullover und Wollsocken da und zittere wie ein Espenblatt im Wind.
Die mallorquinischen Häuser sind im Sommer kühl wie Kathedralen, im Winter jedoch so eisig wie eine Tiefkühltruhe, die vergessen hat, sich abzuschalten. Die Wände speichern die Kälte mit einer Hingabe, die fast romantisch wirkt, wenn man nicht gerade darin wohnt. Ich habe das Gefühl, dass mein Zuhause nachts heimlich mit dem Nordpol telefoniert und sich Tipps holt, wie man uns am besten in kleine Eisklötze verwandelt.
Natürlich habe ich meine eigene Strategie entwickelt, um dem Frost zu trotzen. Ich stülpe mir Schicht um Schicht an Kleidung über, bis ich aussehe wie eine wandelnde Zwiebel. Unterhemd, T-Shirt, Pullover, noch ein Pullover, dicke Socken, Puschelschuhe und Leggings unter der Jeans. Wer mich so sieht, könnte meinen, ich sei auf dem Weg zu einer Expedition in das Himalaya. Dabei will ich doch nur den Weg vom Sofa zur Küche überleben, ohne dass mir die Knie einfrieren.
Meine Nachbarn lachen mich aus! Sie behaupten, ich übertreibe maßlos. Für sie ist es sehr amüsant zu sehen, dass eine Deutsche auf dieser Sonneninsel so friert. Doch ich schwöre, diese Kälte ist anders, nicht nur eisig, sondern auch noch feucht. Sie kriecht durch die kleinsten Ritzen, legt sich wie ein Film auf die Haut, schleicht sich in die Knochen und bleibt dort sitzen wie ein ungebetener Gast, der einfach nicht gehen will. Manchmal kommt es mir vor, als hätte sie einen eigenen Charakter: stur, hartnäckig und mit einem Sinn für schwarzen Humor.
Wenn ich morgens aufstehe, fühlt sich der Boden an wie eine Eisfläche. Ich könnte Schlittschuhe anziehen und durch das Haus gleiten, so frostig ist es! Meine Zähne klappern dabei im Rhythmus eines Kastagnettenorchesters, und ich frage mich, ob ich tatsächlich auf Mallorca lebe oder in der Antarktis?
Die Sonne, die tagsüber so freundlich scheint, verabschiedet sich abends mit einem Achselzucken. „Mach’s gut, viel Spaß beim Frieren“, scheint sie zu sagen, und ich bleibe zurück mit meiner Kaffeekanne, die ich mir an die Brust presse wie ein Pokal, den ich für das Durchhalten in der Disziplin „Indoor-Winter auf Mallorca“ gewonnen habe.
Ich habe gelernt kreativ zu sein, um die klirrende Luft nicht zu nah an mich zu lassen. Mein Kater dient mir als lebende Wärmeflasche, mein Hund als Fußwärmer. So sitze ich da, festgehalten zwischen Schoß und Füßen, und fühle mich wie eine unbewegliche Insel, auf der zwei Fellwesen ihr Lager aufgeschlagen haben. Immerhin ist es warm, nur bewegen darf ich mich eben nicht.
Das Frieren treibt mich in die wildesten Tagträume, während mein Gehirn nur noch auf Sparflamme läuft. Ich sehne mir eine Heizung herbei, die so zuverlässig bollert, dass man sich davor wie eine zufriedene Eidechse auf einem warmen Stein zusammenrollen könnte. In meiner Fantasie baue ich mir gleich eine ganze Wärmeoase, mitten ins Wohnzimmer! Mit Holzöfen, die knistern wie ein Lagerfeuer, und einer Sauna, die mich endlich auftaut. Während draußen der Winter unbeeindruckt weiterzieht, die Mallorquiner freiwillig ihr Haus verlassen, bleibe ich drinnen mit der Sehnsucht nach einem einzigen, rettenden Wärmestrahl…..
Meine lieben Leser, ich muss diese Kolumne jetzt beenden! Meine Hände sind eiskalt, die Finger starr wie Stalaktiten in der Drachenhöhle von Porto Cristo und kaum noch fähig, über die Tastatur zu gleiten. Jetzt brauche ich einen Kaffee, nicht irgendeinen, sondern einen sehr heißen, der mich von innen auftauen soll. Bis zum nächsten Mal und ziehen Sie sich ja warm an!