Tiernachhilfe

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber Mallorca gehört nicht uns, zumindest nicht uns Menschen. Wir tun so, als wären wir die Herrscher dieser Insel, mit unseren Häusern, unseren ambitionierten Zitronenbäumen und adoptierten Olivenhainen. Doch in Wahrheit sind wir nur Statisten in einem tierischen Königreich, das uns jeden Tag freundlich, aber bestimmt darauf hinweist, dass wir nicht die hellsten Sterne am mallorquinischen Himmel sind.

Katzen beginnen jeden Morgen mit der Haltung von Königinnen, die vergessen haben, dass ihre Krone längst im Museum liegt. Sie sitzen auf Mauern und Autos und betrachten uns, als hätten wir wieder einmal die falschen Entscheidungen getroffen. Eine Katze, die an uns vorbeischreitet, wirkt wie eine Diva, die sich fragt, warum wir überhaupt noch mitspielen dürfen, wenn wir nicht einmal die Insel respektieren?

Ziegen übernehmen den Vormittag. Sie tauchen an Orten auf, die eigentlich nur für Vögel gedacht sind. Eine Ziege auf einem Berg ist so normal wie ein Stau in Palma. Ihre Bewegungen erinnern an Artisten, die beschlossen haben, dass Schwerkraft nur ein Gerücht ist. Eine besonders schlaue Ziege mustert uns gelegentlich mit einem Blick, der sagt, dass wir mit all unserer Technik nicht halb so effizient sind wie sie mit ihren vier Hufen.

Schafe regieren die Felder. Sie ziehen wie ein flauschiger Strom durch die Landschaft und klingen dabei wie ein Chor, der seit Jahrhunderten dieselbe Melodie probt. Ein Schaf schaut uns an, als wüsste es genau, dass wir wieder zu viel Kaffee getrunken haben und trotzdem nichts auf die Reihe bekommen.

Esel übernehmen die philosophische Abteilung. Sie stehen herum und denken nach. Zumindest wirkt es so. Ein Esel bewegt sich nur, wenn er es für absolut notwendig hält. Ein Blick von ihm reicht, um zu verstehen, dass er die gesamte Menschheit bewertet und zu dem Schluss kommt, dass wir uns mehr Mühe geben könnten.

Geckos gehören zur Nacht. Sie erscheinen auf warmen Steinplatten und wirken wie kleine, lebendige Edelsteine, die beschlossen haben, dass Wände ihre persönliche Bühne sind. Ein Gecko huscht über die Mauer, als würde er streng geheime Botschaften überbringen. Sein Blick verrät oft eine stille Kritik, etwa dass wir mit unseren Lampen und Lärmquellen die Dunkelheit ruiniert haben.

Hunde mischen sich ebenfalls ein. Jeder Ort hat einen Hund, der jedes Mal aufs Neue aus seiner Finca ausbricht. Er läuft durch die Straßen, als wäre er der Bürgermeister, der seine Runde macht. Manchmal trottet er an uns vorbei und trägt den Gesichtsausdruck eines Tieres, das genau weiß, dass wir uns gerade nicht von unserer besten Seite zeigen.

Möwen übernehmen die Küsten. Sie schreien, als würden sie eine Oper proben, und stehlen Essen mit der Präzision von Taschendieben. Eine Möwe, die ein Bocadillo klaut, ist hier kein Drama, sondern ein Naturgesetz. Ihr Blick verrät, dass sie uns für unsere Unachtsamkeit auslacht.

Schildkröten kontrollieren die Gärten. Sie erscheinen lautlos und verschwinden wieder, als hätten sie einen Termin im Untergrund. Eine Schildkröte bewegt sich langsam, aber mit einer Entschlossenheit, die an alte Generäle erinnert. Manchmal taucht eine auf, schaut uns an und wirkt, als würde sie prüfen, ob wir überhaupt noch wissen, wie man sich menschlich verhält.

All diese Tiere zeigen uns, dass Mallorca weit mehr ist als Strände, Sonne und Meer. Zwischen Mauern, Feldern und Gärten gelingt ihnen ein Zusammenleben, das ohne große Worte auskommt und trotzdem erstaunlich gut funktioniert. Ohne Diskussionen, ohne Kontrollwahn, ohne das Bedürfnis, ständig alles zu besitzen. Jedes Tier nimmt sich den Platz, den es braucht, und lässt dem anderen genau so viel Raum, wie er benötigt. Respekt entsteht dort ganz nebenbei, als wäre es das Natürlichste der Welt. Wann haben wir verlernt, so zu handeln? Manchmal, wenn ich abends auf meiner Terrasse sitze und die Geckos über die Mauer huschen sehe, denke ich, dass die Tiere längst verstanden haben, wie ein friedliches Miteinander geht und wir dringend bei ihnen in die Nachhilfe müssten.

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